Erstgespräch

DR. ALEXANDRA HILDEBRAND: WARUM WIR MIT GESUNDEM MENSCHENVERSTAND BESSER FÜHREN

Wieder einmal verweisen wir gerne auf einen Artikel von Frau Dr. Alexandra Hildebrand, der in der Huffington Post erschienen ist:

„Keine Täuschung! Warum wir mit gesundem Menschenverstand besser führen. Warum wir keine übertrainierten Führungskräfte brauchen.

Wer heute Führungsverantwortung anstrebt, wird durch die schiere Masse an Entwicklungsangeboten und Denkschulen zwangsläufig verunsichert. „Führungsfähigkeit wird zu einer komplexen Wissenschaft mit einander widersprechenden Theorien stilisiert. Es ist Zeit, dem gesunden Menschenverstand  den Stellenwert wiederzugeben, den ihm Trainingsagenturen seit Jahren streitig machen“, sagt der Geschäftsführer der WÖHRL Akademie Dr. Sebastian Gradinger.

Der gesunde Menschenverstand spielt heute vor dem Hintergrund vielfach „übertrainierter Führungskräfte“ eine zentrale Rolle. Der Manager bedauert, dass viele teure Entwicklungsprogramme in den vergangenen Jahren „den Führungskräften das Zutrauen nahmen, dass auch eigene, erfahrungsbasierte Entscheidungen sinnvoll und erfolgversprechend sein können.“ 

Gemeinsam mit WÖHRL Vorstand Robert Rösch hat er nun als Herausgeber eine große Bandbreite an Managementerfahrungen zu einem spannend zu lesenden Essayband verbunden. Mit ihrem Buch „Nachhaltig führen – mit gesundem Menschenverstand“ verfolgen sie bewusst nicht die Absicht, „eine wissenschaftliche Abhandlung über den gesunden Menschenverstand zu bieten.

Es soll für den Leser vielmehr Inspiration und Ermutigung sein, sich im Umgang mit den beruflichen Herausforderungen als Führungskraft weniger durch Lehrbuchwissen als vielmehr vom gesunden Menschenverstand und bewährter Erfahrung leiten zu lassen“, heißt es in ihrem Vorwort. 

Es ist „eine Art Buch gewordenes Mentoren-Programm“ aus der Praxis für die Praxis: Einfach verständlich, anschaulich und sofort umsetzbar.

Führen durch systemisches Fragen, durch Motivation oder durch Vorbild: Es gibt eine Vielzahl von Konzepten, die Managern die Arbeit erleichtern sollen.

Was aber finden erfahrene Führungskräfte selbst hilfreich bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und der Steuerung ihrer Teams? Was macht eine gute Führungskraft aus? Wie lässt sich die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit mit der notwendigen Erneuerung unserer Führungskultur verbinden? Und was hat der viel gerühmte gesunde Menschenverstand unseren hoch differenzierten Methoden der modernen Führungskräfteentwicklung voraus?

Auf diese und viele weitere Fragen, denen sich Manager, HR-Experten, angehende Führungskräfte von morgen und auch eine interessierte Öffentlichkeit gegenübersehen, geben 13 namhafte Autoren in dieser Essay-Sammlung „Nachhaltig führen – mit gesundem Menschenverstand“ Antworten aus unterschiedlichsten Perspektiven und ehrliche Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen.

Vom Leiter Personal in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit, Hans-Christian Witthauer, bis zum Gründer der OBI-Baumärkte, Prof. Manfred Maus, dem ehemaligen ALDI-Manager Dieter Brandes und dem Ex-IG Metall-Vorstand Gerd Lobodda beschreiben die Manager ihr Verständnis von einer nachhaltigen Personalführung. 

Stefan Scheller, einer der führenden deutschen HR-Blogger, nimmt dazu die Perspektive der Geführten ein: „Der gesunde Menschenverstand ist und bleibt … das ultimative Korrektiv, an dem sich jede Führungsarbeit messen lassen muss.“ 

Und Manager Dieter Brandes macht deutlich, dass es bei diesem Thema keineswegs um bloße „Wohlfühlfaktoren“ geht: „Eine gefestigte Unternehmenskultur, gesichert durch gesunden Menschenverstand vieler Mitarbeiter, macht in der Unternehmensführung den Erfolg oder Misserfolg aus.“

Die Arbeit an diesem Buch war eine bereichernde Erfahrung für Sebastian Gradinger, die ihm auch selbst das gegeben hat, was er den Lesern vermitteln möchte: Zutrauen in die eigene Urteilsfähigkeit. „Weil es so viele erfolgreiche Manager gibt, die vorrangig auf ihren gesunden Menschenverstand bauen als auf theoretisches Führungswissen.“ 

Das Buch: 

Nachhaltig führen – mit gesundem Menschenverstand. Hg. Sebastian Gradinger und Robert Rösch. Hardcover, Goldegg Verlag 2015.

http://www.goldegg-verlag.at/book/nachhaltig-fuehren/

Mit Beiträgen von: Dieter Brandes, Arndt Brockmann, Utho Creusen, Guido Fassbender, Alexandra Hildebrandt, Michael J. Kolodziej, Gerd Lobboda, Manfred Maus, Stefan Scheller, Michaela Schmeken, Georg Sieber, Christiane von der Heiden, Sophia von Rundstedt, Marco Freiherr von Münchhausen und Hans-Christian Witthauer.

Die Herausgeber:

Sebastian Gradinger begann nach Studium und Promotion im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Trier seine Handelskarriere bei dm-drogerie markt, wo er nach Stationen in mehreren Ressorts Filialverantwortung übernahm. Danach internationale Tätigkeit bei Peek & Cloppenburg als Geschäftsleiter und interner Verkaufsleiter in Österreich und Tschechien. Seit 2010 ist Sebastian Gradinger Geschäftsführer der WÖHRL Akademie GmbH und verantwortet in dieser Funktion die Weiterbildungsmaßnahmen von rund 2.500 Mitarbeitern.

Robert Rösch ist seit 2002 Mitglied des Vorstands der Rudolf Wöhrl AG. Nach seiner Ausbildung bei WÖHRL bildete sich Robert Rösch zum Handelsfachwirt weiter und führte mehrere Häuser der Gruppe als Geschäftsleiter, bevor er im Jahr 2000 in die Unternehmenszentrale wechselte. Dort übernahm er zunächst die Personalleitung der Rudolf Wöhrl AG. 2005 trat Rösch so auch in die Geschäftsführung der WÖHRL Akademie GmbH ein. 

Die WÖHRL Akademie 

Die WÖHRL Akademie www.woehrl-akademie.de, seit 2010 unter der Leitung von Dr. Sebastian Gradinger, ist eine der ältesten Unternehmensakademien Deutschlands. Sie wurde 1988 zur Weiterbildung von Führungskräften der Rudolf Wöhrl AG gegründet. Seit über 25 Jahren verantwortet sie die Qualifizierung und Weiterbildung für aktuell rund 2.400 Mitarbeiter des Unternehmens. Neben einem breiten Angebot an über 120 Seminaren für jährlich 1.500 interne Teilnehmer profiliert sich die WÖHRL Akademie seit vier Jahren auch mit einem unternehmensübergreifenden Programm für den Führungskräfte-Nachwuchs.

Wo sich der gesunde Menschenverstand noch findet

In ihrem Buch „7 Schlüssel für mehr innere Stärke“ (GRÄFE UND UNZER Verlag, 2013) verwies die Resilienz-Expertin Prof. Jutta Heller auf den Psychologen Gerd Gigerenzer, der Bauchgefühl oder Intuition als Urteil beschreibt, das rasch im Bewusstsein auftaucht, dessen tiefere Gründe uns nicht ganz bewusst sind und das stark genug ist, um danach zu handeln.

Beide bestätigen, dass gerade bei komplexen Sachverhalten unsere Bauchentscheidungen deutlich besser als rationale Entscheidungen sind. Sie lassen sich „trainieren“, indem damit begonnen wird, mehr auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu achten. 

Auch die Unternehmerin, Tiefenpsychologin, Pädagogin und Autorin Theresia Maria Wuttke bestätigt: „Wie gut, dass wir ihn haben den gesunden Menschenverstand: Verstand kommt von verstehen, gesund von dem Sund, dem Grund, also den Menschen und die Dinge verstehen und ihnen auf den Grund gehen. 

Das können Frau und Mann am besten, wenn sie ihr wunderbares Werkzeug, ihr Gehirn vollumfänglich nutzen: Da braucht die ganzheitliche Wahrnehmung und die wertfreie Kommunikation eben Struktur und Dynamik, die Unterschiedlichkeit der Betrachtungsweise das Verständnis vom Mehrwert und die Strategie, neben den Maßnahmen und Meilensteinen ein Wertefundament, das für Stabilität und Identität sorgt. 

Es gibt sie, die zwei ‚Saiten‘ unseres Gehirns, die rechte und die linke Hemisphäre mit ihren gänzlich unterschiedlichen Arealen und Zuständigkeiten. Die Kunst ist es, den Bogen so zu führen, dass aus dem Cello die Musik erklingt. Ja, es ist gesund, den Menschenverstand in seiner Ganzheit zu Wort kommen zu lassen.“ 

Aber auch in anderen Kontexten begegnet das Thema – beispielsweise im aktuellen Buch des Schriftstellers und Marathonläufers Matthias Politycki: „42,195. Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken“ http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=20898.

Sein Fazit: Im Leben gewinnt nicht selten derjenige, der am besten täuschen kann – im Rennen hingegen gewinnt stets der Schnellere: „Tarn- und Schutzmechanismen sind für die Dauer des Laufs überflüssig geworden, der ‚gesunde Menschenverstand‘ bricht sich Bahn.“ 

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/bessere-fuehrungskraefte-mit-menschenverstand_b_7810242.html

ARTIKELEMPFEHLUNG: WARUM MENSCHLICHKEIT IM UNTERNEHMEN NICHTS MIT KUSCHELECKE UND WELLNESS ZU TUN HAT

 Ein weiteres Mal möchten wir Ihnen in Übereinstimmung mit unserer Unternehmensphilosophie und unserer Mission einen Artikel von Frau Dr. Alexandra Hildebrand empfehlen, der in der vergangenen Woche in der Huffington Post veröffentlicht worden ist.

Zum Artikel (externer Link): Warum Menschlichkeit im Unternehmen nichts mit Kuschelecke und Wellness zu tun hat

 

MEDITATION IM MANAGEMENT

Immer mehr Studien zum Thema Meditation im Management und Geistesübung drängen auf den Markt und bestätigen, was Wissenschaftler schon 2003 herausgefunden haben: Meditation kann sich langfristig positiv auf Gehirnfunktionen und auf das Immunsystem auswirken. Bei der sogenannten Achtsamkeits-Meditation, bei der sich der Meditierende auf seine momentanen Gefühle und Gedanken konzentriert, ohne sie jedoch zu bewerten, steigerte sich schon nach 8 Wochen die Gehirnaktivität im vorderen Bereich des Kopfes und die Produktion von Antikörpern nach einer Grippeimpfung. Bei den Nichtmeditierenden war das nicht der Fall. Andere Studien haben gezeigt: Wer regelmäßig meditiert, kann sich besser konzentrieren, besitzt eine bessere Kontrolle über seine Emotionen und fördert zudem Stressabbau und die Leistungsfähigkeit seines Immunsystems.

So schreibt Dr. Amishi Jha, Neurologin an der “University of Miami”: “Meditation kann nicht nur innerhalb von acht Wochen Stress reduzieren, sondern geht auch noch mit strukturellen Veränderungen im Hirn einher. Das öffnet viele neue Möglichkeiten für weitere Erforschungen des Potentials der Tiefenmeditation, etwa als Schutz gegen stressbedingte Störungen, wie etwa dem posttraumatischen Stresssyndrom.”

MEDITATION FÜR MANAGER

Lange Zeit galt die Meditation als etwas für Glückssucher, Aussteiger oder Lebenskünstler. Doch längst hat die Suche nach dem Nichts Einzug in Führungskräftekurse oder Weiterbildungsseminare gefunden.

Autorin Eva Lindner von der Welt kompakt (Ausgabe 16.05.2011) schreibt sogar: „Wer meditiert, gilt als ausgeglichen und in sich ruhend. Meditationskurse werden in Unternehmen, im Hochschulsport, in Fitnessstudios, Rehakliniken und Schulen angeboten. Kurz gesagt: Meditation ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Was die meisten von uns als Meditation kennen, ist das restlose Abschalten, ankommen im „Nichts“ Das Einstellen der Gedanken, das Loslösen von der äußeren Wahrnehmung, der Peripherie. Meditation beginnt mit der nach innen gerichtete Aufmerksamkeit. Die integrale Lehre geht aber noch einen Schritt weiter. Sie geht davon aus, dass wir uns von zwei verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten können. Im Alltag erleben wir uns zwischen unseren Stärken und Schwächen, unseren Zielen und Emotionen. Hier dominiert uns jenes ICH, das als Ego bezeichnet wird. Im Rückzug nach Innen, im Zustand der Stille, der sich ausbreitenden Ruhe lernen wir Schritt um Schritt uns eines anderen ICHs, des SELBST, bewusst zu werden. C.G. Jung, der große Wegbereiter des integralen Bewusstseins, war der erste Europäer, der vom Selbst sprach. Das Selbst ist der Beobachter des Egos. Eine gezielte Körperwahrnehmung, Atem- und Achtsamkeitsübungen, beruhigen den Geist. Verbinden, was zusammengehört, Hand in Hand mit Herz und Verstand – so kann der Mensch beginnen seinen Alltag aus seiner Mitte her zu meistern. Die Verbindung zur Seele schafft Raum für echtes Selbstbewusstsein.

Hermann Ricker nennt sich heute Han Shan, ist buddhistischer Mönch und Leiter eines Meditations- und Rückzugscenters in Thailand. Nach einem schweren Autounfall hat er sein international erfolgreiches Unternehmen an die engsten Mitarbeiter verkauft und sagt heute rückblickend auf seine unternehmerische Zeit in einem Interview mit der neuen Züricher Zeitung (Ausgabe 21. April 2011): „Wenn ich heute mit meinem erarbeiteten Wissen zurückschaue, dann wäre es wichtig, jeden einzelnen Mitarbeiter anzuleiten, in sich selbst Energien freizusetzen, die ihn achtsam arbeiten lassen. Wenn jeder seine Sache achtsam tut, dann tut er sie auch gut. Dafür wäre es nötig, in den Führungsetagen ein Bewusstsein zu entwickeln und auch vorzuleben, das dazu beiträgt, die Achtsamkeit bei jedem einzelnen Mitarbeiter zu stärken. Denn letztlich haben die Energien, die jeder einzelne in die Firma einbringt, einen bedeutenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg.“

Im Herbst 2015 bietet die Theos Consulting regelmäßige Meditation für Manager einmal monatlich an.

Die genauen Termine geben wir rechtzeitig bekannt.

BUCH-TIPP: „ENERGIE AUS WASSER – NUR EINE VISION?“

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BUCH-TIPP: „ENERGIE AUS WASSER – NUR EINE VISION?“

Unser Buch-Tipp: „Energie aus Wasser – nur eine Vision?“ mit Potenzial die Welt zu verändern: Man stelle sich vor, Öl, Benzin, Diesel, Gas, Kohle und Atomenergie würden wir durch Wasser ersetzen. Viele werden sagen: Das geht nicht. Doch die Natur macht uns das jeden Tag vor. Wir Menschen leben vom Wasser. Das Wasser wird in unseren Zellen in den Mitochondrien in Energie umgewandelt seit Millionen von Jahren. Übertragen wir dieses Wissen in unsere Technische Welt, dann sprechen wir von der HHO-Technologie. Wir zerlegen Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O). Führen wir diese Gase wieder zusammen, dann entsteht ein hoch energieintensives Gas (2H² +O²). 

 

Dieses Gas hat die Namen HHO-Gas, Knallgas, Oxyhydrogen oder auch Brown´s Gas. Mit diesem Gas können wir Strom erzeugen, heizen, kühlen, fahren und produzieren. Das heißt, wir erzeugen Strom mit Wasser, heizen und kühlen mit Wasser, fahren mit Wasser und produzieren mit Wasser. Das Reaktionsprodukt ist Wasser, einfach nur Wasser.

Dieses spannende Thema wird ausführlich in der neuesten Veröffentlichung „Energie aus Wasser – nur eine Vision?“ von Prof. Dr.-Ing., Dr.h.c Heinrich Reents behandelt.

DER INTEGRALE ANSATZ UND DIE WÜRDE DES MENSCHEN

Gedanken zur ARD Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“

Längst ist es wieder ruhig geworden. Eine der erfolgreichsten Dokumentationen der ARD gerät in Vergessenheit. Und die Fassade des größten Versandhauses der Welt ist wieder in Ordnung. Zur Erinnerung: Mitte Februar deckt eine ARD-Reportage auf, „was sich hinter der Fassade von Amazon.de verbirgt und wer dafür zahlt, dass die schöne neue Warenwelt des Internethändlers so billig zu haben ist.“ (ARD Programmankündigung) Ein Sturm der Entrüstung bricht über die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei Amazon los. „Ekelerregend, menschenverachtend, unwürdig“ – so lauten die Kommentare auf den Social Media Plattformen. Der Onlinehändler reagiert und kündigt die Verträge mit einer Zeitarbeitsfirma und einem Sicherheitsdienst. Darauf folgen Angriffe ganz bestimmter Medien und bezichtigen die Autoren der Dokumentation der Falschdarstellung. Amazon „Opfer“ wirft ARD Lüge vor – so die Schlagzeile der Bild. Angriff scheint nicht gleich Angriff zu sein, solange wir uns auf der Seite der Gutmenschen wähnen. Das Prinzip, der Schuldige ist gefunden, das Urteil wird gesprochen, setzt seine Reise durch die Jahrtausende fort. Was heute Facebook ist, war zu anderer Zeit der Marktplatz, wo es üblich war, die Schuldigen vorzuführen und vor aller Welt zu bestrafen.

Haben wir noch nichts dazugelernt? Achtung statt Verachtung

So schnell wie der Shitstorm im Netz gegen Amazon los gebrochen ist, genau so schnell ist er auch wieder verklungen. Wir gehen zur Tagesordnung über. Die meisten der verschreckten Konsumenten bestellen wieder beim größten Onlineversandhaus. Der unpersönliche Kauf per Klick geht schnell, ist bequem und preiswert. Dabei hätte diese Dokumentation, ob in allen Details wahr oder nicht, Grundlage einer gesellschaftlichen Diskussion sein können. Was bedeutet dieser Satz ganz oben in unserem Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“? Hat jeder Mensch das Recht, geachtet, respektiert und angesehen zu werden? Gilt das für Arme wie für Reiche, für Junge wie für Alte, für Gesunde wie für Kranke, für Menschen christlichen wie muslimischen Glaubens? Seit wann diskutiert die Menschheit über ihre eigene Würde.

Die Würde des Menschen im Wandel der Zeit

Nach christlichem Weltbild beruht die Würde des Menschen auf seiner Rolle als „Ebenbild Gottes“: Der Schöpfer hat ihn im Gegensatz zu allen anderen Wesen nach seinem Bild geformt.

Der deutsche Idealismus rückt statt der christlichen Gottesebenbildlichkeit die so genannte Vernunftnatur des Menschen in den Mittelpunkt: „Der Mensch, da er Geist ist, darf und soll sich selbst des Höchsten würdig achten.“ (Georg Wilhelm Friedrich Hegel)

Erst aus Sicht des deutschen Materialismus beruht die Würde des Menschen auf dessen „sittlicher Autonomie“ (Immanuel Kant). Der Mensch kann sich über seine natürlichen Triebe erheben und von moralischen Normen leiten lassen. „Wer sich zum Wurme mache, darf nicht darüber klagen, mit Füßen getreten zu werden.“ Bei Kant findet sich auch der Hinweis, dass jeder Mensch an sich ein Gewissen hat, welches ihm sagt, was richtig und falsch ist.

Es braucht noch einmal hundert Jahre, bis das Ziel eines menschenwürdigen Daseins als Randnotiz (Artikel 151, Abschnitt 5) in der Weimarer Reichsverfassung von 1919 auftaucht. In den nationalsozialistischen Reichsgrundsätzen heißt es dagegen: „Recht ist, was dem Volke nützt!“

Wortbedeutung Würde und Wert

Die Menschheit braucht noch viele Jahre, um sich von Sozialdarwinismus, Rassismus und Antisemitismus zu verabschieden, Der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ steht heute im Grundgesetz. Er ist kein einklagbares Recht, eher eine Aufforderung an jeden Bürger, nicht nur an den Staat im Umgang mit seinen Bürgern. „Würde“ (althochdeutsch wirdi; mittelhochdeutsch wirde) ist verwandt mit dem Wort „Wert“. Im Kern ist Würde nichts anderes als ein achtungsgebietender Wert. Neben dem äußeren Wert (Vorrangstellung, Ansehen, Anerkennung) gibt es den inneren Wert (Freiheit, Selbstbestimmung, Sinnhaftigkeit) und ein Verhalten, das einem Wissen um diesen Wert entspricht. So sprach der Philosoph Immanuel Kant von einer „universellen Würde“, die jedem einzelnen Menschen innewohne. „Der Mensch ehrt die Würde der Menschheit in seiner eigenen Person.“

Der integrale Ansatz und die Würde des Menschen

Der zuletzt zitierte Satz von Kant weist darauf hin, dass die Würde des Menschen etwas ist, das jeder besitzt und das nicht außerhalb von uns existiert. Und dennoch gibt es eine „universelle Würde“, die Würde der Menschheit. Somit bin ich ein Teil des Ganzen. Ganz gleich, wie „ohne Würde“ (ekelerregend, menschenverachtend, unwürdig) der Versandhausriese Amazon seine Mitarbeiter behandelt haben mag, stellen wir uns einfach mal die Frage:  „Wie handle ich selbst?“

Auch wenn wir nie bei Amazon etwas bestellt haben und diese Praktiken „ver-ur-teilen“, ist doch jedes „Ur-teil“ der Versuch, uns zu separieren, uns auf die Seite des guten Menschen zu stellen. Wäre nicht ein konsequentes Handeln eine sinnvolle Alternative, anstatt beim Onlinehändler wieder beim Buchhändler zu bestellen. Mit anderen Worten: In jedem von uns steckt ein bisschen Amazon. Bertold Brecht hat es in seiner Dreigroschenoper drastischer ausgedrückt: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Es ist und bleibt der einfachere Weg, auf andere mit dem Finger zu zeigen, schwerer dagegen ist der ehrliche Blick in das eigene Spiegelbild.

Und so muss sich jeder selbst die Frage beantworten, ob er jeden Tag nach dem Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (10. Dezember 1948) lebt: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Dieser Gedanke ist nicht erst in der Neuzeit entstanden. Schon Platon hat in seinen vier kardinalen Tugenden eine bis heute gültige Alternative aufgezeigt und das schon vor mehr als 2000 Jahren. Seine Empfehlung lautet:

Sophia: der Weisheit des Herzens zu folgen

Virtus: Tapferkeit und Mut zu leben

Constantia: Besonnenheit walten zu lassen

Justitia: Achtung und Gerechtigkeit dem Anderen gegenüber sprechen zu lassen.