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Die neue Dimension der Beratung

29. April 2014
Kategorie: Integrale Wirtschaft

Geld ist eine geniale Erfindung

Im Geld steckt das Potential zur Freiheit ebenso wie das zur Unterwerfung

Wie schon im ersten Artikel Geld regiert die Welt oder von der Freiheit der Selbstbestimmung widme ich mich in diesem Artikel ganz bewusst wieder dem Thema Geld: Geld als Synonym für Freiheit und Unterwerfung, Unabhängigkeit und Macht.
Das Phänomen Geld zeigt seine Licht- und Schattenseiten auf, die im Innern unserer Psyche in der Regel ein Eigenleben führen. Die Trennung von Yin und Yang Währungen, wie es sie im alten Ägypten noch gab, zeigt die im Unterbewusstsein des Menschen erfahrene Spaltung des männlichen und weiblichen Prinzips auf, das es wieder bewusst zu verbinden gilt.
Schnell sind wir dabei zu urteilen, wobei das Ganze, das Ur, nicht teilbar ist. Es erwarten Sie weitere spannende Artikel zum Thema Geld, das bis auf den heutigen Tag nicht zu seinem vollen Potenzial an Möglichkeiten gefunden hat, weil uns Menschen noch nicht bewusst ist, dass die Wurzel allen Übels das Trennende ist und nicht das Verbindende.

Schon der Volksmund sagt: „Nichts bringt den Menschen schneller um seinen Verstand als die Liebe und das Geld!“. Die meisten Menschen sind mit ihrem Verstand zwar zufrieden, die wenigsten aber mit ihrem Geld. So lässt Johann Wolfgang von Goethe in Faust II seinen Mistopholes sagen: „Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.“ Und Goethes „Faust“, den der Ökonom Hans Christoph Binswanger den „ersten global denkenden Unternehmer“ nennt, hat seine Zweifel, als Mistopholes als Lösung des Problems das Drucken von Papiergeld empfiehlt. „Daran erkenn‘ ich den gelehrten Herrn! Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern, Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar, Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr, Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht, Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.“

Chancen und Risiken des Papiergeldes

Für den 84-jährigen Ökonomie-Professor Binswanger schlägt „Faust“ einen direkten Bogen vom 19. Jahrhundert in das heutige Jahrtausend. Faust habe verstanden, „dass die Wirtschaft dem göttlichen Schöpfungsprozess nahekommt. Aus wenig immer mehr machen… Die Alchemisten wollten aus Blei Gold herstellen, das war ihr großer Traum. Mit dem Papiergeld ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Die Ressourcen der Natur sind nicht beliebig steigerbar, das Geld hingegen schon. Unendlicher Reichtum scheint möglich.“ (11. Juni 2010 Süddeutsche Zeitung)
Und tatsächlich macht das Papiergeld die industrielle Revolution möglich, steigert den Wohlstand und belebt Erfindergeist und Wissenschaften. Doch der Ökonomie-Professor warnt, denn inzwischen vermehrt sich das Geld „schneller als die kreative Phantasie. Es werden Dinge produziert, die man nicht braucht… Die Wirtschaft produziert Luxusgüter. Gleichzeitig wird ein Teil der Bevölkerung immer ärmer. Früher wurde von oben nach unten verteilt, heute immer mehr von unten nach oben. Dazu kommt die Spekulation. Die Menschen halten sich für reicher als sie es sind, wenn sie Aktien haben und die Kurse steigen. Doch dieser Reichtum steht nur auf dem Papier. Es kann jederzeit wieder schwinden.“ Mehr Schein als Sein – ein uraltes Sprichwort trifft es auf den Punkt.

Setzt Reichtum ethisches Verhalten außer Kraft?

US-Forscher meinen nachweisen zu können, was schon Aristoteles und Platon wussten („Sobald die Menschen dem Reichtum einen Einfluss auf ihr Inneres gestatten, verfallen sie dem Übermut und Hochmut“). Reiche Menschen, so die amerikanische Studie, scheinen eher dazu zu neigen, moralische und ethische Regeln zu brechen. Sie sollen offenbar weniger dabei empfinden, sich zu nehmen, was sie wollen, mehr als das, was sie brauchen. Das Gefühl, nie genug zu haben – ganz so wie in dem Märchen „Der Kleine Hävelmann“ – ist die treibende Kraft für ein Verhalten, das den Anderen nicht im Blick hat.

Das Verhalten von reichen und weniger reichen Menschen wurde in mehreren Versuchen überprüft. Das Ergebnis: Reiche Menschen in teuren Autos verletzen die Verkehrsregeln eher als Fahrer von Mittelklassewagen. Und das zweite Ergebnis: Angehörige der Oberschicht lügen und tricksen der Untersuchung zufolge eher als Mitglieder unterer sozialer Schichten. Das dritte Ergebnis: Gier wird von reicheren Leuten positiv bewertetet, während sich Ärmere daran stoßen (1).

So mancher Mensch verleiht dem Geld in seiner Vorstellung eine große Macht

Die simple Vorstellung von Geld ändert unsere Denkweise – sie schwächt alle anderen sozialen Bindungen. Zu diesem Schluss kommt ein Team aus Sozialwissenschaftlern der Universitäten Harvard und Utah im Rahmen einer Studie, die im Mai 2013 veröffentlicht wurde (2). In mehreren Versuchen haben die Forscher einige Hundert Studenten mit Sätzen bzw. Bildern konfrontiert, die einen direkten Zusammenhang mit Geld aufweisen. Eine andere Gruppe erhielt Phrasen und Fotos, die rein gar nichts mit Geld zu tun haben. Die Studenten der ersten Gruppe haben bei anschließend gestellten Aufgaben zu einer höheren Wahrscheinlichkeit unethische Absichten verfolgt als jene in der anderen Gruppe. Sie waren bereit zu stehlen, für finanzielle Ziele zu lügen und dies als „vornehmlich wirtschaftliche Entscheidung“ zu rechtfertigen.

Geld ist eine geniale Erfindung

„Geld ist neutral“, sagt Thomas Jorbergs. „Ein Lineal ist auch nicht böse oder gut. Es kommt drauf an, was ich für Linien zeichne. Da kann das Lineal nichts für. Geld ist eine geniale Erfindung. Das Problem ist: Im Geld steckt das Potenzial zur Freiheit, und wir nutzen es zur Versklavung.“ (08.05.2010 TAZ) Der das schon vor vier Jahren sagte, ist Vorstandssprecher der GLS Bank, die in diesem Jahr bereits ihr 40-jähriges Jubiläum feiert. Es ist die einzige Bank Deutschlands, die gegen den Trend seit Jahren Wachstumsraten von 20 bis 30 Prozent aufweist. Und das hat einen einfachen Grund: Die GLS Bank ist die erste sozial-ökologische Bank Deutschlands. Immer mehr Kunden bringen Ihr Geld zu dieser Bank, weil sie wissen, dass es sozial-ökologisch verwendet wird. Zur Finanzkrise sagte Thomas Jorbergs im TAZ-Interview: „Das reine Streben nach dem möglichst höchsten Zins, egal womit und mit wem dieser erzielt wurde, hat zu den größten Verlusten geführt und sich damit selbst ad absurdum geführt. Dass es sozial und ökologisch fragwürdig ist, das war vielen klar. Aber dass es auch ökonomisch unsinnig sein kann, war eine neue Erfahrung für viele.“ Jorbergs differenziert zwischen dem sinnvollen Anlagen- und Kreditgeschäft und dem Spekulativen. Letzteres sei das Problem. „Ich erlebe, dass mehr Menschen sich bewusst machen, dass es Zusammenhänge gibt zwischen der eigenen Geldanlage – und wie die Welt aussieht.“

Die GLS Gemeinschaftsbank setzt auf die sieben bis zehn Millionen Bundesbürger, die laut Umfragen ihren Konsum und ihre Geldanlage nachhaltig umstellen wollen. „Wenn eine relevante Anzahl ihr Verhalten verändert, hat das eine Lokomotiv-Funktion“, hofft Thomas Jorbergs.

Quellen:
(1) http://www.pnas.org/content/109/11/4086
​(2) http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0749597812001380

Zum Artikel Geld regiert die Welt oder von der Freiheit der Selbstbestimmung

Theresia Maria Wuttke

Theresia Maria Wuttke

Vorständin der THEOS Consulting AG, Integraler Senior Consultant und Business Management Coach, Master- und Lehrcoach, Tiefenpsychologin, Pädagogin mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung, Bankkauffrau, Autorin

Lutz Deckwerth

Lutz Deckwerth

Journalist, Medientrainer und integraler Coach – Meine gelebten Werte: Ebenbürtigkeit, Wertschätzung, Vertrauen, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Achtung vor einander